Knipsen

Genau da hat sich aber auch etwas gewandelt. Photographieren ist nicht mehr länger malen mit Licht, es ist in meinen Augen zum „Knipsen“ geworden. Alles und jedes wird festgehalten, doch es fehlt häufig der innere Kern, es fehlt das, was anrührt, bewegt, was verwandelt, was aus dem Photo spricht.

„Wo warst Du in Urlaub?“ „Kann ich Dir noch nicht sagen, ich habe die Bilder noch nicht entwickeln lassen!“ – So war es früher. Ich habe nichts richtig gesehen, ich konnte ja zu Hause nachsehen, was ich alles fotografiert hatte. Und dann kamen möglicherweise die stundenlangen Dia-Schauen im Familien- und Freundeskreis, die eher nervig als erfreulich waren.

Heute geht das in anderer Weise weiter: Ich habe es erlebt, dass ein Besucher eine historische Kirche betrat und bereits nach drei Minuten wieder verließ. Dazwischen lagen dreißig Bilder, digital aufgenommen, einmal rundherum alles „geknipst“. Die Speicherkapazitäten in den Smartphones werden auch immer größer, die Zahl der „Selfies“ ebenso (was machen die Menschen mit all den Selfies, wenn sie sich irgendwann trennen, was heute ja nicht selten ist?), die „Cloud-Speicher“ für Bilder gibt es mittlerweile mit unbegrenzter Speicherkapazität zum Nulltarif. Der digitale Bilderwahnsinn hat Einzug gehalten. Und wer schaut sich wann die Masse der Bilder noch an?

Und wenn man mir dann ein Smartphone unter die Nase hält, auf dem ich in „Miniformat“ die letzten hundert Urlaubsbilder bewundern soll, finde ich das nur noch nervig.

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